{"id":901,"date":"2018-01-18T14:07:21","date_gmt":"2018-01-18T14:07:21","guid":{"rendered":"https:\/\/bush-telegraph-namibia.com\/?p=901"},"modified":"2018-04-08T19:57:19","modified_gmt":"2018-04-08T19:57:19","slug":"kein-platz-mehr-fuer-den-koenig-der-tiere","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bush-telegraph-namibia.com\/de\/kein-platz-mehr-fuer-den-koenig-der-tiere\/","title":{"rendered":"Kein Platz mehr f\u00fcr den K\u00f6nig der Tiere"},"content":{"rendered":"<p>Blutbad im Schafskral: Vergangene Woche rei\u00dfen zwei L\u00f6wen am Brandberg in nur einer Nacht mehr als 170 Schafe. Bereits im November haben L\u00f6wen in der Kunene-Region unter Ziegen und Schafen gew\u00fctet. Und Monate zuvor sind L\u00f6wen aus dem mit L\u00f6wen \u00fcberbesetzten Etosha Nationalpark auf kommunales Farmland vorgedrungen.<\/p>\n<p>Kein Zweifel \u2013 der Konflikt zwischen der Gro\u00dfkatze und dem Menschen nimmt zu. Der L\u00f6we zieht dabei den K\u00fcrzeren, obwohl er wie kein anderes Tier als Symbol f\u00fcr das wilde, unber\u00fchrte Afrika steht und das Reiseland Namibia mit ihm kr\u00e4ftig die Werbetrommel r\u00fchrt. Betroffene Farmer fordern, dass die Raubkatzen aus ihren Gebieten entfernt werden, oder greifen zum Gewehr. Traurige Konsequenz: F\u00fcr den K\u00f6nig der Tiere, das Symbol afrikanischer Wildnis, scheint in Namibia bald nur noch in Nationalparks Platz zu sein.<\/p>\n<p><strong>Lebensraum auf 8 Prozent geschrumpft<\/strong><\/p>\n<p>Damit folgt Namibia dem Trend auf dem gesamten Kontinent. Einer Studie von Riggio et al aus dem Jahre 2013 zufolge ist der Lebensraum des L\u00f6wen in Afrika s\u00fcdlich der Sahara auf nur noch 17 Prozent seines urspr\u00fcnglichen Verbreitungsgebietes geschrumpft. Eine neuere Studie aus dem Jahre 2015, die Baur et al f\u00fcr die rote Liste bedrohter Arten der International Union for Conservation of Nature (IUCN) erstellt haben, zeichnet die Lage noch dramatischer: Demnach sind nur noch 8 Prozent des urspr\u00fcnglichen Lebensraumes des L\u00f6wen erhalten. Landwirtschaftliche Erschlie\u00dfung und Zersiedlung durch den sich ausbreitenden Menschen haben den Lebensraum des L\u00f6wen zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p>J\u00fcngstes Beispiel f\u00fcr den Konflikt zwischen L\u00f6we und Viehz\u00fcchter ist das L\u00f6wenrudel, das in der Kunene-Region im Oktober in zwei N\u00e4chten rund 250 Schafe und Ziegen gerissen hat. Das Umweltministerium entsendet sofort Naturschutzbeamte in die Gegend. Obwohl sich herausstellt, dass die Farmer ihre Kr\u00e4le nicht l\u00f6wensicher errichtet haben, werden f\u00fcnf der Raubkatzen gefangen, um sie umzusiedeln.<\/p>\n<p>Doch wohin? Etosha kommt nicht in Frage, weil es dort bereits zu viele L\u00f6wen gibt und die noch jungen Tiere dort mit Sicherheit von anderen Rudeln get\u00f6tet werden. \u00c4hnlich sieht es in anderen Nationalparks aus, die in Frage kommen. So ruft das Umweltministerium das private Naturschutzgebiet Erongo Mountain Rhino Sanctuary (EMRS) im Erongo-Gebirge an, mit dem es seit mehr als zehn Jahren im Rahmen des Patenschafts-Programms f\u00fcr Spitzmaul-Nash\u00f6rner eng und erfolgreich zusammenarbeitet.<\/p>\n<div id=\"attachment_896\" style=\"width: 810px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/bush-telegraph-namibia.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/18-01-21-Map-Erongo-Mountain-Rhino-Sanctuary-Eileen-18-01-fin-Copy.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-896\" class=\"wp-image-896\" src=\"https:\/\/bush-telegraph-namibia.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/18-01-21-Map-Erongo-Mountain-Rhino-Sanctuary-Eileen-18-01-fin-Copy.jpg\" alt=\"Karte Erongo Mountain Rhino Sanctuary (von EMRS)\" width=\"800\" height=\"1102\" srcset=\"https:\/\/bush-telegraph-namibia.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/18-01-21-Map-Erongo-Mountain-Rhino-Sanctuary-Eileen-18-01-fin-Copy.jpg 1175w, https:\/\/bush-telegraph-namibia.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/18-01-21-Map-Erongo-Mountain-Rhino-Sanctuary-Eileen-18-01-fin-Copy-218x300.jpg 218w, https:\/\/bush-telegraph-namibia.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/18-01-21-Map-Erongo-Mountain-Rhino-Sanctuary-Eileen-18-01-fin-Copy-768x1058.jpg 768w, https:\/\/bush-telegraph-namibia.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/18-01-21-Map-Erongo-Mountain-Rhino-Sanctuary-Eileen-18-01-fin-Copy-743x1024.jpg 743w, https:\/\/bush-telegraph-namibia.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/18-01-21-Map-Erongo-Mountain-Rhino-Sanctuary-Eileen-18-01-fin-Copy-1080x1488.jpg 1080w\" sizes=\"(max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-896\" class=\"wp-caption-text\">Das 180.000 ha gro\u00dfe Gebiet des EMRS. Rosa markiert die Farm Eileen (ca. 1.800 ha). Quelle: EMRS<\/p><\/div>\n<p><strong>Erongo-Gebiet braucht L\u00f6wen<\/strong><\/p>\n<p>Das EMRS stimmt sofort zu. Die 24 Mitgliedsfarmen hatten bereits 2015 auf ihrer Jahresversammlung die alarmierenden Zahlen der IUCN zum schrumpfenden Habitat des L\u00f6wen in Afrika diskutiert. Dem Vorsitzenden der Tr\u00e4ger-Stiftung EMRST, Kai-Uwe Denker, zufolge haben sie im Grundsatz beschlossen, in ihrem Naturschutzgebiet auch dieser gef\u00e4hrdeten Gro\u00dfkatze Lebensraum zur Verf\u00fcgung zu stellen. Das 180.000 Hektar gro\u00dfe Gebiet ist nicht nur gut f\u00fcr L\u00f6wen geeignet, sondern ben\u00f6tigt sie zur nat\u00fcrlichen Regulierung der \u00dcberbest\u00e4nde von Wild wie Kudu, Bergzebra und Giraffe. Seit Jahren wird es \u2013 auch wegen der dort angesiedelten Spitzmaul-Nash\u00f6rner \u2013 erfolgreich gegen Wilderer gesch\u00fctzt. Zu den kommerziellen Farmgebieten hin ist das EMRS wildsicher abgez\u00e4unt und der Grenzzaun zum Stadtgebiet Omaruru wird in K\u00fcrze elektrifiziert.<\/p>\n<p>Die L\u00f6wen w\u00e4ren zudem eine zus\u00e4tzliche touristische Attraktion. Laut EMRST gibt es in dem Gebiet bereits 18 Lodges, G\u00e4ste- und Jagdfarmen sowie Campingpl\u00e4tze mit insgesamt fast 20.000 G\u00e4sten im Jahr. Der Tourismus bietet demnach mehr als 200 Menschen einen Arbeitsplatz. Hinzu kommen 38 Wildh\u00fcter zur allgemeinen \u00dcberwachung und f\u00fcr die Anti-Wilderer-Patrouillen im Naturschutzgebiet.<\/p>\n<p>So setzt das Umweltministerium vier der f\u00fcnf gefangenen L\u00f6wen im November im EMRS aus; eines der Tiere ist infolge des hohen Stresses vorher verendet. Seitdem lassen sich die L\u00f6wen nicht blicken; sie halten sich in abgelegenen bergigen Regionen auf. Lediglich ihre Spuren werden gesichtet. Sie rei\u00dfen Wild, aber kein Vieh \u2013 und sie gehen dem Menschen aus dem Weg, wie aus anderen Gebieten mit L\u00f6wen-Populationen bekannt. Eine klare Best\u00e4tigung daf\u00fcr, dass es in der Kunene-Region nur deshalb zu \u00dcbergriffen auf Kleinvieh kam, weil es dort aufgrund der D\u00fcrre an Wild mangelt.<\/p>\n<p><strong>Gefahr f\u00fcr Mensch und Vieh?<\/strong><\/p>\n<p>Dennoch gibt es Protest. Die Eigent\u00fcmer-Familie der Farm Eileen, die einen Campingplatz betreibt und laut EMRS-Mitgliedern Ziegen h\u00e4lt, warnt in einem Leserbrief an die Allgemeine Zeitung vor der Gefahr f\u00fcr Mensch und Vieh. F\u00fcr die EMRS-Mitglieder unverst\u00e4ndlich, denn seit jeher gibt es Leoparden im Erongo. Laut Umweltministerium werden L\u00f6wen-Angriffe auf den Menschen noch seltener gemeldet als Leoparden-Attacken \u2013 und die sind bereits selten. Dem EMRS zufolge wurde auch die Gefahr f\u00fcr Holzsammler ins Feld gef\u00fchrt, die es in dem Gebiet jedoch gar nicht gibt. Auf eine Petition, die die Protestler von Eileen angek\u00fcndigt hatten, warten die Mitglieder der EMRS bis heute. Die kleine Farm Eileen liegt mitten im Gebiet des Erongo und profitiert von der Vermarktung der Region und dem Schutz vor Wilderei, ist aber den Mitgliedern des EMRS seit Gr\u00fcndung des EMRS nicht zur Zusammenarbeit bereit. Wie \u00fcberall ist es der Konflikt zwischen Viehz\u00fcchter und L\u00f6we.<\/p>\n<p>Der Protest hat Folgen. Am 10. Januar k\u00fcndigt das Umweltministerium offenbar auf Anordnung von h\u00f6herer Stelle an, dass die L\u00f6wen wieder eingefangen und in einen der Nationalparks umgesiedelt werden sollen. Bei einem Treffen im Ministerium erf\u00e4hrt ein Vertreter des EMRS, dass sich eine unbetroffene Privatperson als durch die L\u00f6wen bedrohte Partei ausgegeben und angeboten hat, die L\u00f6wen zu fangen. Sie ist dem EMRS jedoch nicht bekannt und lebt auch nicht in der Gegend, hat allerdings angeblich gute Kontakte zur Regierung. Ger\u00fcchten zufolge k\u00f6nnte der Plan bestanden haben, die L\u00f6wen nach S\u00fcdafrika zu verkaufen, wo bis zu 500.000 Rand f\u00fcr tuberkulose-freie L\u00f6wen aus Namibia bezahlt werden. Das Ministerium ist auf das Angebot zwar nicht eingegangen; die L\u00f6wen werden jedoch trotzdem ein zweites Mal umgesiedelt \u2013 nach Etosha.<\/p>\n<p><strong>Nash\u00f6rner ja, L\u00f6wen nein<\/strong><\/p>\n<p>Dem Trend des schrumpfenden Lebensraumes f\u00fcr konflikttr\u00e4chtige Gro\u00dfwildarten wie L\u00f6we und Elefant versucht das Umweltministerium mit der Strategie entgegenzutreten, den betroffenen Menschen einen Nutzen aus dem Naturschutz zu bieten \u2013 in Form kommunaler und kommerzieller Hegegebiete (Conservancies), die ihr Wild hegen, um Touristen anzuziehen und aus Gastbetrieb und Troph\u00e4enjagd Eink\u00fcnfte zu erzielen. Das Vorhaben, in Kooperation mit privaten Naturschutzgebieten wieder mehr Lebensraum f\u00fcr Wild auch au\u00dferhalb der Nationalparks zu schaffen, verl\u00e4uft bei Spitzmaul-Nash\u00f6rnern sehr erfolgreich. Dies gilt auch f\u00fcr das Naturschutzgebiet des EMRS im Erongo-Gebirge.<\/p>\n<p>Der Versuch, einen \u00e4hnlichen Erfolg auch f\u00fcr den L\u00f6wen zu erzielen, ist dagegen wohl zun\u00e4chst gescheitert. F\u00fcr die Mitglieder des EMRS besonders bitter ist die Erkenntnis, dass die Verwirklichung der gro\u00dfen Vision einer erfolgreichen Kooperation im Naturschutz durch den f\u00fcr sie nicht nachvollziehbaren Protest einer kleinen Partei gestoppt werden kann \u2013 und dass in diesem Fall Hobby-Landwirte, die nach Kenntnis von EMRS-Mitgliedern ihren Lebensunterhalt anderswo bestreiten, die Wiederherstellung eines intaktes \u00d6kosystems boykottieren.<\/p>\n<div id=\"attachment_897\" style=\"width: 810px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/bush-telegraph-namibia.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/18-01-21-leopard-in-erongo-mountains-emrs-Copy.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-897\" class=\"wp-image-897\" src=\"https:\/\/bush-telegraph-namibia.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/18-01-21-leopard-in-erongo-mountains-emrs-Copy.jpeg\" alt=\"Leopard in den Erongo-Bergen\" width=\"800\" height=\"534\" srcset=\"https:\/\/bush-telegraph-namibia.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/18-01-21-leopard-in-erongo-mountains-emrs-Copy.jpeg 1280w, https:\/\/bush-telegraph-namibia.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/18-01-21-leopard-in-erongo-mountains-emrs-Copy-300x200.jpeg 300w, https:\/\/bush-telegraph-namibia.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/18-01-21-leopard-in-erongo-mountains-emrs-Copy-768x512.jpeg 768w, https:\/\/bush-telegraph-namibia.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/18-01-21-leopard-in-erongo-mountains-emrs-Copy-1024x683.jpeg 1024w, https:\/\/bush-telegraph-namibia.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/18-01-21-leopard-in-erongo-mountains-emrs-Copy-1080x721.jpeg 1080w\" sizes=\"(max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-897\" class=\"wp-caption-text\">Schroffe Landschaft des Erongo-Gebirges, in der bis 1967 noch L\u00f6wen gelebt haben und heute der Leopard das gr\u00f6\u00dfte Raubtier ist. Quelle: EMRS<\/p><\/div>\n<p>Bleibt die Frage, wo dem L\u00f6wen \u00fcberhaupt noch Lebensraum erhalten bleiben soll, wenn nicht in ariden, schroffen Gebieten wie dem Erongo-Gebirge, das sich zur nachhaltigen landwirtschaftlichen Nutzung nicht eignet? <em>(Sven-Eric Stender, im Auftrag des Erongo Mountain Rhino Sanctuary)<\/em><\/p>\n<p><em>Kontakt f\u00fcr Verst\u00e4ndnisfragen zum Text:<\/em><br \/>\n<em>Sven-Eric Stender, Bush Telegraph<\/em><br \/>\n<em>+264 (0)81 &#8211; 327 8788<\/em><br \/>\n<em>editorial@bush-telegraph-namibia.com<\/em><\/p>\n<p><em>Kontakt f\u00fcr weiter f\u00fchrende Fragen<\/em>:<br \/>\n<em>Kai-Uwe Denker (Vorstandsvorsitzender der EMRST)<\/em><br \/>\n<em>+264 (0)81 &#8211; 201 4867<\/em><br \/>\n<em>kaiuwe@erongosafaris.com<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Blutbad im Schafskral: Vergangene Woche rei\u00dfen zwei L\u00f6wen am Brandberg in nur einer Nacht mehr als 170 Schafe. 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